Vortrag in Mönchengladbach
Eva Schlotheuber sprach vor etwa 40 Gästen im Haus Erholung.
Foto: Ja/Knappe, Joerg (jkn)
Um Liebe, weibliche Freundschaften und das Mittelalter ging es diese Woche im Haus Erholung. Vor etwa 40 Gästen referierte die Historikerin Eva Schlotheuber auf Einladung des Wissenschaftlichen Vereins Mönchengladbach über „unerhörte Frauen“. Schlotheuber studierte Geschichte, Archäologie und Anthropologie und ist Professorin für Mittelalterliche Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Mit dem Thema setzt sich die Historikerin schon seit längerer Zeit auseinander. Bereits 2023 erschien das Buch „Unerhörte Frauen. Die Netzwerke der Nonnen im Mittelalter“, das Schlotheuber gemeinsam mit der Germanistin Henrike Lähnemann verfasste.
Die ersten Frauenklöster wurden bereits im 4. Jahrhundert gegründet – und waren ein Schutzraum
In ihrem Vortrag griff Eva Schlotheuber aus ihrer Forschung zu den Nonnen im Mittelalter den Aspekt der „Liebe und Freundschaft in den spätmittelalterlichen Frauengemeinschaften“ auf. Zuvor gab sie einen kurzen Überblick über die Geschichte und die Aufgabe von Frauenklöstern. Diese habe es in Europa quasi von Anfang an gegeben, so Schlotheuber. Der Mönch Pachomius gründete im 4. Jahrhundert die ersten christlichen Männer- und Frauenklöster. Die klösterlichen Frauengemeinschaften seien „ein Sonder- und Schutzraum der mittelalterlichen Gesellschaft“ gewesen. Sie übernahmen, wie die Referentin darlegte, wichtige Aufgaben wie die Verankerung von Macht und Einfluss der Familien, erfüllten die Gebetsverpflichtung und übernahmen die Erziehung und Ausbildung des Nachwuchses. So gesehen waren die Klöster ökonomische und soziale Zentren.
Für ihre Forschungen arbeitete Schlotheuber mit Tagebüchern und Briefen
Über das Leben in mittelalterlichen Frauenklöstern war bislang wenig bekannt. Schlotheuber erklärte, dass die Forschung lange Zeit „von außen“ auf die Einrichtungen geschaut habe. Ihre Untersuchungen beziehen sich nun auf die von den Frauen selbst produzierten Quellen. Schlotheuber und ihre Kolleginnen und Kollegen erforschten eine Fülle von Briefen, die die Frauen in den unterschiedlichen Klöstern – beispielsweise dem Kloster Lüne im niedersächsischen Lüneburg – schrieben und die von ihnen verfassten Tagebücher. Diese Schriftstücke zeigen, wie intelligent, klug, humorvoll und sprachgewandt die Frauen waren – Eigenschaften, die dazu führten, wie Schlotheuber sagte, dass die Frauen auch als Autorinnen gefragt waren. In ihren Aufzeichnungen behandeln sie auch die Frage nach Freundschaft und Liebe.

