Wie China mächtig wurde

Vortrag in Mönchengladbach

 Mönchengladbach · Fall und Aufstieg des Reichs der Mitte war Thema eines Vortrags von Felix Wemheuer im Haus Erholung. Der Sinologe erläuterte die Gründe für das Erstarken der Volksrepublik.

China-Experte Felix Wemheuer: „Bereits im 17. und 18. Jahrhundert ist das Land eine Weltmacht gewesen“.  Foto: Ja/Knappe, Joerg (jkn)

Von Mao bis Xi: Die vorhandenen Stühle wurden knapp, zusätzliche Sitzgelegenheiten mussten Kostenpflichtiger Inhalt im Haus Erholung aufgestellt werden, als Felix Wemheuer auf Einladung des Wissenschaftlichen Vereins seine zahlreichen Zuhörer bekannt machte mit den Zielen der Kommunistischen Partei: den Westen einzuholen und zu überholen.

Die zentrale offizielle Botschaft sei gewesen, das Land zu neuer globaler wirtschaftlicher und militärischer Stärke zu führen. Seit 2017 verkünde Staatspräsident Xi Jinping die angestrebten Ziele für die Bevölkerung in dem ostasiatischen Land. Wemheuer, Professor für moderne China-Studien an der Universität in Köln, studierte am Institut der Geschichte der Kommunistischen Partei Chinas an der Pekinger Renmin-Universität, war später auch in Harvard tätig.

Bereits im 17. und 18. Jahrhundert sei das Land eine Weltmacht gewesen, betonte er. Den Wiederaufstieg auf das Niveau dieser Zeit habe man sich zum Ziel gemacht, nachdem es im Zuge des Opium-Kriegs um 1840 zum Abstieg gekommen sei. Was vielen nicht bekannt sei: China habe zu den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs gehört. „Trotzdem war das Land zu diesem Zeitpunkt sehr arm”, erläuterte der Wissenschaftler.

Die japanische Besatzung habe „sehr viel Verwüstung verursacht”. Wie in Russland habe man den Sozialismus als Modernisierungsprojekt angesehen. Die damalige Sowjetunion sei Vorbild gewesen. Etwa 80 Prozent der Bevölkerung habe auf dem Land gelebt, nicht lesen und schreiben können. Die Bauern seien gezwungen worden, ihre Agrarprodukte zu sehr niedrigen Preisen an den Staat abzuliefern, zum Beispiel für den Export in die DDR. Im Gegenzug habe sich die chinesische Regierung davon die Einfuhr hochwertiger Industrietechnik versprochen.

Wemheuer sprach auch die große Hungersnot an, die von 1959 bis 1961 geherrscht habe. „Viele verließen in dieser Zeit die Landwirtschaft.” 1963 dann ein neuer Partei-Plan: in den kommenden 30 Jahren aufzuschließen zu anderen Industrienationen, jedoch nicht konkret formuliert. Industrie, Landwirtschaft, Wissenschaft und Armee seien zu diesem Zeitpunkt die vier Säulen der Modernisierung gewesen.