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Ökologismus

16. Dezember 2016 19:00 - 21:00

Michael Miersch

Pressebericht:

RP 21. Dezember 2016

Mönchengladbach: Früher war ganz sicher nicht alles besser

 
Mönchengladbach: Früher war ganz sicher nicht alles besser
Im Rhein schwimmen seit einigen Jahren wieder Lachse. FOTO: J. Mallwitz/dpa 

Autor und Journalist Michael Miersch kritisierte in seinem Vortrag beim Wissenschaftlichen Verein die aktuelle Lust am Weltuntergang. Unter dem Titel „Ökologismus und Irrwege des grünen Denkens“ präsentierte er vielmehr Erfolgsstorys. 

Von Angela Rietdorf

Wer geglaubt hat, Michael Miersch leugne den Klimawandel oder den menschlichen Einfluss darauf, sieht sich getäuscht. Der erfahrene Journalist und Autor ist zu klug und zu differenziert, um sich vor den Karren derer spannen zu lassen, die den Klimawandel für erfunden und Medien für lügenhaft halten. Was er kritisiert, ist die Lust am Weltuntergang, die Verbreitung von Angst und die Weigerung, positive Effekte und Entwicklungen wahrzunehmen und die eigenen Anschauungen kritisch zu reflektieren.

Michael Miersch, 30 Jahre als Journalist bei renommierten Medien tätig und heute Geschäftsführer bei der Deutschen Wildtierstiftung, referierte im Haus Erholung auf Einladung des Wissenschaftlichen Vereins zum Thema Ökologismus und Irrwege des grünen Denkens. Mit Ökologismus bezeichnet er die grüne Weltanschauung im Gegensatz zur Ökologie, dem wissenschaftlichen Forschungsgebiet. „Das grüne Denken hat heute die gesamte Gesellschaft durchdrungen“, stellt er fest. Das lasse sich am sichersten daran erkennen, dass selbst Weltkonzerne wie Coca-Cola und McDonald´s sich ein grünes Mäntelchen umhängen. „Konzerne tun das nur, wenn sie glauben, dass das alle gut finden“, erklärt er. Es gebe keine Gegner mehr, alle seien grün, allerdings werde dadurch das Etikett immer unklarer, die Widersprüche nähmen zu. Windkraftinvestoren vertreten ebenso grüne Positionen wie die Fledermausschützer, die sie bekämpfen. Die Plastiktüte, die aus Zuckerrohr hergestellt werde, nenne sich grün, Zuckerrohr werde aber nicht umweltfreundlich produziert. Biodiesel werde aus Palmöl hergestellt, für das wiederum Regenwald abgeholzt wird. Widersprüche über Widersprüche.

Wölfe und Biber werden in Deutschland wieder heimisch. FOTO: Felix Heyder/dpa 

Dann zählt er auf, was sich in den vergangenen Jahrzehnten alles zum Positiven verändert habe. „Die Verhältnisse haben sich von Grund auf gewandelt“, sagt Miersch. Es gebe überall Kläranlagen, im Rhein schwimmen wieder Lachse, der Wolf kehre zurück ebenso wie der Biber. Die Luft sei sauberer, die Belastung mit Schwermetallen gehe zurück, Rohstoffe würden wiederverwertet, die Industrie brauche im Schnitt ein Drittel weniger Energie als 1990. Der Wald breite sich aus: „Eine grandiose Erfolgsstory“, fasst er zusammen. Weil aber so viel erreicht sei, suchten die grünen Eliten nun potenzielle Gefahren in ferner Zukunft. Katastrophenszenarien seien speziell in Deutschland sehr beliebt bei den Medien. Als Beispiel für eine ausgebliebene Katastrophe nennt er das Waldsterben, das die Deutschen in den 1980er Jahren erschreckte. „Die Tatsache, dass es kein großflächiges Absterben gab, wurde weitgehend ignoriert“, sagt er. „Stattdessen nehmen die Wälder zu, aber der Irrtum wurde nie selbstkritisch reflektiert.“

Die gleichen Mechanismen sieht er beim Thema Klimawandel am Werk. Er bestreitet nicht den Klimawandel an sich. „Es herrscht Einigkeit über die Erwärmung und darüber, dass der Mensch die Entwicklung beeinflusst“, erklärt er. Aber er hinterfragt die Qualität der Prognosen, kritisiert, dass andere Faktoren nicht genannt werden oder positive Effekte nicht gesehen werden. „Eine Warmphase hat bisher auch immer positive Auswirkungen auf Mensch und Natur gehabt“, sagt er. Deutsche Medien aber liebten düstere Zukunftsprognosen und apokalyptische Szenarien. Ein Beispiel aus seiner Zeit als Focus-Wissenschaftschef: Eine Meldung des US-Polarforschungsinstituts sprach von einer Rekordschmelze des Eises am Nordpol und einer Rekordzunahme am Südpol. Der zweite Teil der Meldung wurde von deutschen Medien – bis auf den Focus – praktisch ignoriert. Unreflektierte Medienschelte will der langjährige Journalist aber nicht betreiben. Er habe nie einen Nachteil durch seine vom Mainstream abweichende Meinung gehabt: „Die Medien werden nicht durch böse Mächte gesteuert.“

Quelle: RP»

Details

Datum:
16. Dezember 2016
Zeit:
19:00 - 21:00
Veranstaltungskategorie:

Veranstalter

Wissenschaftlicher Verein Mönchengladbach gegr. 1849
E-Mail:
info-vorstand@wissenschaftlicherverein.de
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Veranstaltungsort

Haus Erholung
Johann-Peter-Bölling-Platz 1
Mönchengladbach, 41061 Deutschland
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