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Prof. Dr. Hans-Joachim Blome
Georges Lemaitre – der geistige Vater des Urknalls

7. April 2020 19:00 - 21:00

Georges Lemaître (1894-1966) war ein katholischer Priester und Astrophysiker, der ab 1925 als Professor an der Universität in Louvain arbeitete und ab 1936 Mitglied der päpstlichen Akademie der Wissenschaften in Rom war, später ab 1960 auch deren Präsident.

In einer wenig beachteten Arbeit leitete er bereits 1927 das Gesetz der Expansion theoretisch her und berechnete, dass sich die Expansion des Weltraums in einer systematischen Verschiebung des Spektrums von Galaxien in Richtung längerer Wellenlängen („Rotverschiebung“) zeigt. Dieses Gesetz wurde von Edwin Hubble wenig später durch Beobachtung verifiziert. Heute bezeichnet man die Tatsache, dass  je weiter Galaxien von uns entfernt sind, desto schneller sie sich von uns fort bewegen als „Hubble-Lemaitre-Gesetz“. Die Bestätigung der zunehmenden Ausdehnung des Universums brachte Georges Lemaitre zu der Einsicht, dass diese Expansion vor endlicher Zeit mit einer Energiekonzentration ihren Anfang nahm, die er „Ur-Atom“ nannte. Aus der Expansion resultiert zwangsläufig, dass vor 13.8 Milliarden Jahren die Materie und die Strahlung, die den uns bekannten Teil der der Welt erfüllt, kompakt, heiß und dicht gewesen sein muss. Was jenem Anfangszustand vorausging ist bis heute noch nicht geklärt. Georges Lemaitre erntete für diese Hypothese scharfe Kritik, die bekannteste von seinem Kollegen Sir Fred Hoyle, der abfällig vom „Big Bang“ sprach.

Lemaitres Beiträge zur physikalischen Kosmologie waren wegweisend und sind bis heute aktuell. Dazu gehören z.B.  der Versuch einer Deutung des Anfangs der Welt mit Hilfe der Quantentheorie oder erste Überlegungen zur Entstehung von Galaxien und Haufen von Galaxien in einem expandierenden Universum.

Der Zweck einer jeden kosmologischen Theorie ist es, einfache Anfangsbedingungen zu suchen, durch die infolge des Wechselspiels bekannter physikalischer Gesetze unsere Welt in all ihrer Komplexität entstanden sein könnte, so formulierte Georges Lemaitre das Programm der modernen Kosmologie. Aber die Antworten auf Einsteins Fragen, warum es den Kosmos mit seinen Sternen überhaupt gibt und ob „Gott“ eine Wahl hatte bei der Erschaffung der Welt, stehen immer noch aus. Georges Lemaître war nicht nur Astrophysiker, sondern auch ein gottgläubiger katholischer Priester. Das verheimlichte er nicht, aber Astrophysik betrieb er, als wenn es Gott nicht gäbe.

Prof. Dr. Hans-Joachim Blome studierte an den Universitäten Clausthal, Bonn und Köln Physik und Astronomie und promovierte an der Universität zu Köln in theoretischer Physik.  Von 1983 bis 1987 arbeitete er am Institut für Astrophysik der Universität Bonn. Ab dem Jahr 1988 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) tätig und weiterhin Mitglied der Kosmologie-Arbeitsgruppe am Institut für Astrophysik in Bonn. Im Rahmen der Tätigkeit beim DLR leistete er Mitarbeit in der Projektleitung Spacelab-Projekt D-2 Mission, einem NASA/DLR Projekt (1988-1994) und absolvierte 1995  Forschungssemester  bei der  NASA und  am  Institute for Advanced Space Studies in Houston. Von 1996 bis 1998 war er Mitglied der strategischen Planungsgruppe für Extraterrestrische Forschung  im  DLR und war 1997 abgeordnet in das Raumfahrt-Referat im Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) in Bonn und  im Jahr 1998 im Auftrag des DLR einer der deutschen Delegierten im Science Program Committee der European Space Agency (ESA). Seit 1999 lehrt und forscht er als Professor für die Fächer Physik und Himmelsmechanik an der Fachhochschule Aachen im Fachbereich der Raumfahrttechnik. Seine Arbeitsgebiete sind die Gravitationsphysik, Raumflugdynamik und Kosmologie. Er ist Mitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, Astronomischen Gesellschaft und der Carl Friedrich von Weizsäcker Gesellschaft Wissen und Verantwortung. Seinem Vortrag über Stephen Hawking im Januar 2019 verdanken wir neben vielerlei interessanten Informationen und Erkenntnissen den Beitritt des mit 13 Jahren altersmäßig jüngsten Mitglieds des Wissenschaftlichen Vereins.

Details

Datum:
7. April 2020
Zeit:
19:00 - 21:00

Veranstaltungsort

Haus Erholung
Johann-Peter-Bölling-Platz 1
Mönchengladbach, 41061 Deutschland
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Website:
http://www.hauserholung.de