
Wir neigen dazu, frühere Zeiten im Wesentlichen aus europäischer Sicht zu betrachten und auszublenden, dass es vielfältige Beziehungen außerhalb Europas, aber auch zwischen Europa und anderen Kontinenten gab. In seinem Vortrag versucht Prof. Dr. Michael Borgolte zu ergründen, inwiefern das Mittelalter, verstanden als das Jahrtausend zwischen 500 und 1500 n. Chr., als eigenständige Periode der Globalgeschichte verstanden werden kann, und zeigt an ausgewählten Themenfeldern, welche neue Einsichten in die Geschichte, und damit auch für das Verständnis unserer Gegenwart, durch diesen neuen Frageansatz möglich werden.
Michael Borgolte war Inhaber des Lehrstuhls für Geschichte des Mittelalters I an der Humboldt-Universität zu Berlin 1991-2016, danach bis 2021 Gründungsdirektor des Instituts für Islamische Theologie an seiner Universität. Thematische Schwerpunkte seiner Arbeiten waren und sind europäische und globale Geschichte des Mittelalters und Universalgeschichte des Stiftungswesens. Unter seinen mehr als zwanzig Büchern sind für den Vortrag besonders einschlägig die Darstellungen „Die Welten des Mittelalters. Globalgeschichte eines Jahrtausends“ von 2022, ²2022, und „Globalgeschichte des Mittelalters“ von 2023. Zuletzt hat er zur europäischen Heiratspolitik publiziert („Königin in der Fremde. Frühmittelalterliche Heitratsmigrationen und die Anfänge der europäischen Bündnispolitik“, 2024, ²2025, und „Königinnen zwischen Fremde und Vaterland. Heiratsmigrantinnen des hohen Mittelalters und die politische Integration Europas“, 2026) sowie seine wissenschaftliche Autobiographie vorgelegt („Wissenschaft und Leben. Von Problemen der Gegenwart zum Verständnis des Mittelalters. Dreißig Jahre als Mediävist an der Humboldt-Universität zu Berlin“, 2026.
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